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Hilchenbach

Geschichte der Stadt Hilchenbach von 950 bis 1969

Was ist in den letzten 1000 Jahren im Gebiet der heutigen Stadt Hilchenbach passiert? Hier können Sie die wichtigsten Ereignisse nachlesen.

Geschichte der Stadt Hilchenbach von 950 bis 1969

In die Zeit zwischen 950 und 1000 fällt vermutlich der Bau der 1839 abgerissenen St. Veitskirche. 1230 bis 1240 baut Graf Heinrich II. (der Reiche) von Nassau die Ginsburg. Diese wird noch eine gewichtige Rolle im Freiheitskampf der Niederländer spielen. Im Jahre 1239 gründet Friedrich von Hain das Prämonstratenser-Frauenkloster Keppel, das dem Abt des Klosters Arnstein an der Lahn untersteht. 1292 wird Hilchenbach zum ersten Mal urkundlich erwähnt, und zwar in einer Schenkungsurkunde, in der die Gräfin Agnes von Nassau und ihre Söhne dem Kloster Keppel eine Mühle samt Grundbesitz schenken (~ sixtum iuxta Heylichinbach~) . Um 1325 wird die St. Veitskirche Pfarrkirche. Damit ist Hilchenbach jetzt ein eigenes Kirchspiel und wird Sitz eines Niedergerichts und Verwaltungsmittelpunkt. 1384 belehnt König Wenzel die Grafen von Nassau mit einem Freistuhl (Freigericht) auf der Ginsburg. Diesen Freistuhl besetzt im Jahre 1398 Wynekin von Helchenbach als â??Freigraf des Freien Stuhles zur Ginsburgâ?.

Die ersten Hütten werden 1417 erwähnt. 1467 wird zum ersten Mal das Amt und Gericht Hilchenbach schriftlich erwähnt. Dazu gehörten Hilchenbach, Lützel, Oberndorf, Hadem, Helberhausen, Grund, Vor dem Wald, Watzenseifen, Alte Bruch, Siebelnhof, Hickebruch, Schreiberg, Sterzenbach, Haarhausen, Stöcken, Allenbach, Schloß Ginsburg, Hof Wehbach, Müsen, Dahlbruch, Schweisfurth und Winterbach. Zunächst waren die Burggrafen gleichzeitig Schultheiße des Amtes. Die erste Überlieferung eines Schöffensiegels des Gerichtes Hilchenbach mit der Darstellung eines schreitenden Wolfes, datiert aus dem Jahre 1485. Seit 1911 ist der Wolf das Wappentier der Stadt Hilchenbach. Wilhelm von Wischel (Langenau) wird 1489 von Johann von Nassau mit einem Burgsitz und Haus als Mannlehen belehnt. Damit waren die drei Siegerländer Adelsfamilien Bicken von Hainchen, Kolbe von Wilnsdorf und Wischel von Langenau in Hilchenbach ansässig oder besaßen Güter. 1490 wütete die Pest in Hilchenbach. Graf Johann V. Erhält 1493 vom Kloster keppel das Patronatsrecht über die Kirche St. Vitus zu Hilchenbach. 1498 wird die Landhecke an der nördlichen Grenze zum Herzogtum Westfalen (Kur-Köln) erneuert und die Grenze gefestigt. Im 15. Jahrhundert hatte Hilchenbach ca. 300 Einwohner mit 47 Häusern.

1523 wird als letzter katholischer Geistlicher in Hilchenbach, Pfarrer Hermann von Kotzenrode erwähnt. Graf Wilhelm der Reiche führt 1530 das Augsburgische Bekenntnis ein. Der katholische Pfarrer Johann Diefenbach tritt zum lutherischen Glauben über. 1533 wird die erste Zollstelle in Hilchenbach erwähnt. Im Jahre 1547 wütet in Hilchenbach erneut die Pest. 1559 erfolgt erneut eine Bekenntnisänderung. Johann VI. führt das calvinistische Bekenntnis ein und nimmt den Heidelberger Katechismus an. 1568 weilt Wilhelm von Oranien auf der Ginsburg um den niederländischen Feldzug gegen Spanien zu planen. Um das benötigte Geld zu bekommen verpfändet er 1569 die Ämter Ferndorf, Krombach und Hilchenbach an den Grafen von Wittgenstein für 14122 Gulden und bereitet auf der Ginsberger Heide den Feldzug vor. 1578 wird Hilchenbach erneut verpfändet, diesmal an den Grafen von Hanau.

1611 wird erstmals eine Schule in Hilchenbach urkundlich erwähnt. 1613 heiratet Johann VIII., der Jüngere Ernestine von Ligne und tritt zum katholischen Glauben über. Hilchenbach bleibt von direkten Kriegswirkungen des 1618 ausbrechenden 30-jährigen Krieges verschont. Johann der Mittlere verfügt 1621 wegen des Übertrittes seines Erbsohnes Johann des Jüngeren zum katholischen Glauben eine Dreiteilung des Landes. Hilchenbach wird damit dem Graf Wilhelm zugesprochen. 1623 stirbt Johann der Mittlere und sein Sohn Johann VIII., der Jüngere, besetzt auch das ihm nicht zugesprochene Land. Aufgrund eines kaiserlichen Mandats, erklärt er die Verfügung seines Vaters für ungültig und schließt mit seinem Bruder Wilhelm einen Vertrag, in dem Wilhelm unter anderem das Amt und Gericht Hilchenbach und Schloß Ginsburg erhält. Dies zog natürlich wieder eine kirchliche Neuordnung nach sich. 1626 wird das Kirchspiel Müsen gegründet. 1642 stirbt Graf Wilhelm an den Folgen einer Kriegsverletzung. 1645 vereinigt der Graf Johann Moritz das Amt Hilchenbach mit den anderen evangelischen Ämtern Ferndorf, Krombach und Freudenberg. 1652 wird er in den Reichsfürstenstand erhoben. Der letzte Hexenprozess in Hilchenbach findet 1653 statt. 18 Personen (14 Frauen und 4 Männer) werden zum Tode verurteilt. Zehn werden verbannt, die anderen, da sie ihre Schuld eingestanden hatten, enthauptet. 1683 beginnt Fürst Wilhelm Moritz mit dem Bau eines neuen Schlosses, welches der bauliche Vorgänger der heutigen Wilhelmsburg ist. Am 1. Mai 1687 wird dem Dorf Hilchenbach das Fleckenprivileg erteilt. Am 1. Mai 1689 bricht nach einer Pulverprobe im fürstlichen Haus Feuer aus. Es greift auf den Ort über und Hilchenbach brennt bis auf 5 Häuser ab.

Als 1743 auch die katholische Linie des Hauses Nassau-Siegen ausstirbt, geht die Regierungsgewalt an die Diezer Linie des Hauses Nassau in den Niederlanden. Die Zentralbehörden werden in Dillenburg eingerichtet, in Siegen bleibt nur ein Unterdirektorium für Gerichts- und Verwaltungssachen. Damit verliert auch Hilchenbach seine lokalen Amtsbehörden. 1756 brach der Siebenjährige Krieg aus. Wobei sich die Kriegsparteien in der Besetzung des Landes abwechselnden. Von direkten Einwirkungen blieb Hilchenbach zwar verschont, doch erfuhr der Ort eine starke materielle Belastung durch Einquartierungen, Plünderungen und Zwangszahlungen. 1775 wurde das Gericht und die Verwaltung in Hilchenbach wiederhergestellt.

1806 wird dem letzten deutschen Nassau-Oranier und niederländischen Generalstatthalter Wilhelm Friedrich, dem dem Rheinbund nicht betreten will, von Napoleon seine deutschen Stammlande genommen. Die Fleckenverfassung wird 1809 aufgehoben, damit wird auch das Gericht in Hilchenbach aufgehoben. Im Jahre 1813 endet die französische Herrschaft und Fürst Friedrich Wilhelm erhält das Siegerland zurück. Durch den Wiener Kongreß im Jahre 1815 wird das Siegerland Teil von Preußen und 1816 dem Regierungsbezirk Arnsberg zugeteilt. 1824 wird Hilchenbach Stadt und 1835 wird auch das Gericht wieder eingerichtet. 1836/37 wird in Hilchenbach die Städteverordnung eingeführt und das erste Magistratskollegium gebildet. Die St. Veitskirche wird 1839 wegen angeblicher Baufälligkeit abgebrochen. Am 24. April 1844 wird der Grundstein für die heutige evangelische Kirche gelegt und 1846 eingeweiht. Sie steht heute unter Denkmalsschutz. 1849 wird Hilchenbach im Zuge einer Justizreform in das Kreisgericht Siegen eingegliedert. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstehen viele Vereine. 1853 wird ein Frauen- und Jungfrauenmissionsverein gegründet. Ein Jahr später entsteht die Hilchenbacher Stadtsparkasse. Auch ein Verein zur Abschaffung von Leichenschmäusen wird gegründet. Die beiden Türme der evangelischen Kirche werden 1863 fertig gestellt. Der Hilchenbacher Turnverein entsteht 1865. Ein Jahr später der Gesangsverein Liederkranz. Am Krieg gegen Frankreich 1870/71 nehmen insgesamt 81 Hilchenbacher teil. Zwei fallen, vier werden verwundet und zwei herhalten das Eiserne Kreuz. 1872 wird der Kriegerverein gegründet, ein Jahr später ein Arbeiterbildungsverein. 1878 wird das Amtsgericht Hilchenbach wiederhergestellt. Die bei der Kirche erbaute Kleinkinderschule wird 1880 eröffnet. 1885 wird der Vogelschutzverein gegründet, der später zum Tierschutzverein für Hilchenbach und Umgebung wird. Das erste Auto wird 1896 von den Gebrüdern Weiß in Betrieb genommen und ein Jahr später erscheint die erste Zeitung in der Druckerei Schmidt, Zeitung für das Ferndorftal, der Vorläufer für die Hilchenbacher Zeitung. 1899 wird die Spar- und Darlehnskasse gegründet.

Im Jahre 1900 leben 2281 Menschen in Hilchenbach. 1901 eröffnet Dr. Oskar Weiß eine Frauenklinik und die ersten Fernsprecher werden installiert. 1902 wird der Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs in der Stadt Hilchenbach, der heutige Hilchenbacher Verkehrs- und Verschönerungsverein e.V., gegründet. 1914 bricht der Erste Weltkrieg aus. Im ersten Jahr fallen 2 Soldaten aus Hilchenbach. 1915 sind es schon 15 Soldaten die als gefallen gemeldet werden. 1915 fallen 13 Hilchenbacher Bürger. Die Stadt übernimmt die ärztliche Versorgung von Familien der Kriegsteilnehmer die städtische Kriegsunterstützung erhalten. 1917 sterben 12 Soldaten aus Hilchenbach an der Front. Die Leimfabrik Becker und Schulde schließt ihren Betrieb aus Mangel an Rohstoffen. Im letzten Kriegsjahr 1918 sterben 9 Soldaten aus Hilchenbach. Während der Demobilmachung werden viele Truppenteil in Hilchenbach einquartiert. Die Schulen müssen daraufhin die Kirche in Anspruch nehmen um ihren Betrieb aufrecht zu erhalten. 1923 beginnt man mit dem Bau eines Kriegerdenkmals am Marktplatz. Die 20er Jahre des 20. Jahrhundert waren wirtschaftlich äußerst schwierig.

Als Hitler 1933 Reichskanzler wird, findet in Hilchenbach ein Fackelzug statt. Die Arbeitslosen werden im Zuge der Pflichtarbeit zur Erweiterung der Wasserversorgungsanlage herangezogen. 1934 bekommt die Eisenindustrie einen leichten Aufschwung. Im Langen Feld wird ein Stammlager des Reichsarbeitsdienstes gebaut. 1935 tritt die Deutsche Gemeindeordnung in Kraft. Der Bürgermeister ist nun Führer der Stadt oder Gemeinde und an Stelle der Stadtverordnetenversammlung tritt nun eine nur noch beratende Ratsversammlung. 1936 wird Hilchenbach zum Luftkurort und durch die Rüstungsindustrie erlebt die heimische Wirtschaft einen Aufschwung. 1938 wandern viele jüdische Einwohner nach Holland , Amerika und England aus. In der Reichsprogromnacht werden die noch in Hilchenbach lebenden Juden in einen Fackelzug durch die Straßen geführt und auf dem Marktplatz beschimpft und geschlagen. Um schlimmeres zu verhindern, werden sie in Schutzhaft genommen. 1939 wird im Langen Feld ein Schießstand gebaut. Mit ausbrechen des Krieges werden alle lebenswichtigen Güter rationiert und die Häuser nachts verdunkelt. Der erste Fliegeralarm ertönt in der Nacht vom 12. auf den 13. Mai 1940. 1942 werden die jüdischen Einwohner in Konzentrationslager deportiert und bei Erzebach wird ein Lager für weibliche russische Zwangsarbeiter eingerichtet. 1943 müssen die letzten jüdischen Einwohner die Stadt verlassen. 1944 wird der Bau von Luftschutzstollen und Deckungsgräben forciert und die Ernährungslage wird immer angespannter. 1945 wird die Stadt von Amerikanern besetzt. Der Krieg forderte 231 tote oder vermisste Soldaten, sowie 8 zivile Opfer. Dazu kommen noch die deportierten und getöteten jüdischen Bürger sowie tote Zwangsarbeiter. Zu der schweren Versorgungslage kommen auch noch Flüchtlinge aus den Ostgebieten, was zu einer Wohnungs- und Versorgungsnot führt. 1946 wird eine neue Gemeindeordnung eingeführt. Sämtliche Beschlüsse der Verwaltung müssen von der englischen Militäregierung genehmigt werden. Mit der Währungsreform 1948 geht es wirtschaftlich steil Bergauf. 1951 stirbt der Vater des ersten deutschen Tierschutzgesetzes Carl Kraemer. Die Breitenbachtalsperre wird 1956 fertig gestellt. Damit ist eine ausreichende Wasserversorgung sichergestellt. 1964 hat Hilchenbach 4309 Einwohner. 1969 wird im Zuge der Verwaltungsreform die neue Stadt Hilchenbach gegründet, der 11 Gemeinden des Amtes Keppel eingegliedert werden.

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