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Stift Keppel

Stift Keppel

Stift Keppel machte sich einen Namen mit der Erziehung adeliger Töchter. Es kann auf eine über 120 jährige Schultradition zurückblicken. Heute ist dort ein öffentliches Gymnasium untergebracht.

Stift Keppel wird zum ersten Mal 1239 urkundlich erwähnt. In dieser Urkunde, die übrigens auch die erste Erwähnung Netphens beinhaltet, übertrug Graf Heinrich von Nassau auf Bitten seines Lehnsmannes Friedrich von Hain dem Kloster die Einkünfte der der Kirche zu Netphen. Laut der Urkunde hat Friedrich das Kloster auf seinem Besitztum errichtet. Der Urkunde nach ist von einer schon bestehenden Einrichtung die Rede, so dass man davon ausgehen kann, dass das Kloster schon vorher bestand. Ein weiterer Hinweis darauf ist der Nekrolog der Prämonstratenser-Abtei Arnstein, zu dessen Verband Keppel gehörte. Dort wird einer hiesigen Klostervorsteherin gedacht, welche schon vor 1236 gestorben ist.

Die Ordensfrauen lebten nach den Regeln des hl. Augustinus. Vor allem unverheiratete Töchter des Landadels lebten in dem Kloster, das vor allem für deren standesgerechte Versorgung gegründet worden ist. Die Klosterordnung von 1392 besagt, dass die nicht adeligen Fräulein von der Aufnahme ausgeschlossen sind. Darin wird auch Graf Johann I. Graf von Nassau als Schirmherr und Stifter genannt. Seine Mutter Adelheid leitete selbst als Magistra das Kloster in den letzten Jahren ihrer Witwenschaft.

1260 brannte das Kloster vollständig ab. Dadurch geriet das Stift in große finanzielle Schwierigkeiten. So musste 1272 die Zahl der Mitglieder auf 24 und 1294 auf 20 beschränkt werden.

Die Kirche konnte am 21. Juni 1275 wieder eingeweiht werden. Das Kloster selbst war allerdings zu diesem Zeitpunkt noch nicht wieder aufgebaut. Um den Wiederaufbau zu unterstützen, gewährte der Bischof Johann von Litauen 40 Tage Nachlass von der ihnen aufgelegten Buße.

In der Mitte des 14. Jahrhunderts wird berichtet, dass das Kloster verfallen sei und ein Mangel an Nahrung herrsche. Die unzureichende finanzielle Lage des Klosters kam vor allem durch die Bemühungen der Adligen, die Aufnahmebedingungen in ihrem Sinne einzuengen. Die 1392 beschlossene neue Ordnung wurde dann auch mehr auf die wirtschaftlichen Bedürfnisse des Klosters ausgerichtet. So wurde die Aufnahmegebühr auf 50 Goldgulden festgesetzt. Weiterhin mussten Wein, Weizenbrot (Weizenbrot war damals sehr teuer, da Weizen nur auf sehr gutem Boden wächst) und Hühner gespendet werden. Jedes Fräulein hatte 24 Ellen Leinen, 20 Ellen Tischtücher und 16 Ellen Handtücher als Aussteuer mitzubringen. Dem Prior und der Meisterin musste ein besonderes Geschenk gemacht werden und für die Kirche waren eine Kerze und 3 Pfund Wachs zu spenden.

Im 15. Jahrhundert ließ die Klosterzucht nach und wiederholte Reformversuche scheiterten. Damit ließ der Einfluss der Arnsteiner Äbte immer mehr nach und der Einfluss des Landesherrn immer mehr zu. 1547 erließ Graf Wilhelm von Nassau eine neue Ordnung. Er hatte sich der Reformation zugewandt, so dass die Umwandlung in ein frei weltliches Fräuleinstift auf den Weg gebracht wurde. Sein Sohn Johann VI, erließ 1594 erneut eine Ordnung mit der diese Umwandlung nun endgültig vonstatten ging. Die Bezeichnung Kloster tauchte in der neuen Ordnung erst gar nicht mehr auf.

Mitte des 16. Jahrhunderts wurde eine Schule eingerichtet, die auch über die Grenzen hinaus Ansehen erlangte und bis zum Beginn des Dreißigjährigen Krieges florierte. Mitte des 17. Jahrhunderts bekamen die Fräulein das Stift wieder zurück, nachdem es zwischenzeitlich dem Jesuitenkolleg in Siegen gehört hatte. Im Westfälischen Frieden wurde vereinbart, dass die Besitzverhältnisse kirchlicher Einrichtungen wieder auf den Stand von 1624 gebracht werden müssen. Zu diesem Zeitpunkt war Stift Keppel aber schon reformiert. Doch inzwischen war im Zuge der Gegenreformation Graf Johann der Jüngere wieder katholisch geworden. So wurden beide Glaubensrichtungen im Stift eingerichtet. Die Stiftstellen wurden jeweils mit vier katholischen und vier evangelischen Fräulein belegt und die Abtissinnen wurden abwechseln nach ihrer Religionszugehörigkeit bestimmt. Allerdings wurde getrennt Haushalt geführt und sogar getrennte Kuhställe eingerichtet. Dies dauerte fast 150 Jahre. Die Schule wurde nicht mehr eingerichtet, da man so mit den internen Spannungen zu kämpfen hatte, das für konstruktive Tätigkeiten keine Energie mehr übrig blieb.

Nachdem die meisten Siegerländer Adelsfamilien ausgestorben waren, wurde 1774 die mittelfristige Auflösung des Stifts durch Nichtbesetzung freier Stellen vorangetrieben. Auch der wiedereingesetzte Friedrich Wilhelm von Oranien setzte sich nach Ende der napoleonischen Herrschaft für die Auflösung ein. 1818 wurde per Kabinettsorder Friedrich Wilhelm III. die Auflösung bestätigt und der Stiftsfond wurde mit dem Damenstift Gesecke zusammengelegt. Die Stiftskirche wurde während des Neubaus der Stadtkirche Hilchenbach (1839-1846) von der evangelisch-reformierten Gemeinde genutzt. Seit 1844 war auf der katholischen Gemeinde die Nutzung erlaubt. Die katholische Missionspfarrei erbaute 1900 die St. Augustinus Kirche am Ortsausgang Dahlbruch und löste sich somit endgültig von Keppel. Dort wurde 1871 unter der Schirmherrschaft der preußischen Königin Elisabeth die Keppelsche Schul- und Erziehungsanstalt für Mädchen mit angeschlossenem Internat. Sie sollte vor allem der Versorgung von verwaisten Mädchen des Offiziersadels dienen. Nanny von Monbart wurde zur ersten Stiftsoberin ernannt. 1872/73 wurde noch ein Lehrerinnenseminar eingerichtet.

Heute ist Stift Keppel ein öffentliches Gymnasium. Die Stiftskirche und der barocke Konventsaal kann heute noch besichtigt werden.

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